„Ich muss da leider absagen“ – wie oft haben Sie diesen Satz schon gedacht, aber das Gegenteil gesagt? Abgrenzung fällt vielen Menschen schwer, und das hat selten mit fehlender Stärke zu tun. Dieser Beitrag erklärt, warum Nein-Sagen oft so schwer fällt – und was helfen kann, sich klarer zu positionieren, ohne sich dabei schlecht zu fühlen.
Warum fällt das Nein so schwer?
Stellen Sie sich vor: Ihre Kollegin fragt Sie, ob Sie noch schnell eine Aufgabe übernehmen könnten – heute Abend, obwohl Ihr eigener Schreibtisch überquillt. Sie zögern kurz, dann sagen Sie Ja. Innerlich spüren Sie so etwas wie ein leises Unbehagen. Vielleicht sogar ein bisschen Ärger – auf sie, auf sich selbst.
Dieses Muster kennen viele. Das Nein steckt irgendwo im Hals fest, und statt es auszusprechen, kommt ein freundliches Ja – begleitet von einem schlechten Gewissen auf Raten.
Das hat meist nichts mit Schwäche zu tun. Es hängt häufig damit zusammen, wie wir Zugehörigkeit, Anerkennung und unseren eigenen Wert erleben. Wer gelernt hat, dass Hilfsbereitschaft Zuneigung sichert, oder dass Ablehnen gleichbedeutend ist mit Verlust von Harmonie, der wird das Nein innerlich immer wieder mit einem Risiko verknüpfen. Darf ich das? Was denken die anderen? Bin ich dann eine schwierige Person?
Diese Gedanken sind keine Charakterfehler. Sie sind Ausdruck tief verwurzelter Überzeugungen, die irgendwann sinnvoll waren – und die sich verändern lassen.
Abgrenzung ist kein Egoismus
Ein verbreitetes Missverständnis: Wer Grenzen setzt, ist selbstbezogen oder kalt. In Wirklichkeit ist das Gegenteil häufig der Fall. Wer sich dauerhaft überfordert, wird irgendwann nicht mehr verlässlich da sein können – für andere und für sich selbst.
Abgrenzung bedeutet nicht, dass man anderen schadet. Es bedeutet, dass man klar kommuniziert, was möglich ist und was nicht. Und das ist letztlich respektvoller als ein halbherziges Ja, hinter dem Ressentiments wachsen.
Besonders für Menschen in Führungspositionen ist das ein zentrales Thema. Wer täglich viele Entscheidungen trifft und für andere Verantwortung trägt, braucht innere Ressourcen – und die brauchen Pflege. Wer nach außen immer funktioniert und nach innen immer leerer wird, sitzt auf einem Fass, das irgendwann überläuft.
In meiner Arbeit erlebe ich oft, dass Führungskräfte das Setzen von Grenzen als „Schwäche zeigen“ interpretieren. Dabei ist es gerade das Gegenteil: Wer weiß, was er leisten kann und was nicht, kommuniziert das klar – und schafft dadurch Verlässlichkeit. Für das Team, für die Organisation, für die eigene Gesundheit.
Was Abgrenzung im Alltag konkret bedeutet
Grenzen setzen muss nicht dramatisch sein. Es beginnt oft im Kleinen: ein Meeting ablehnen, das eigentlich nicht nötig ist. Eine Bitte um Verlängerung einer Frist stellen. Sich Wochenende als Wochenende erlauben.
Manchmal hilft es, eine kurze innere Pause einzubauen, bevor man antwortet. Statt sofort Ja zu sagen: „Ich schaue kurz in meinen Kalender und melde mich.“ Dieser kleine Schritt kann viel verändern. Er gibt Raum, um wirklich zu prüfen, ob etwas möglich und sinnvoll ist – anstatt impulsiv zu antworten.
Manchmal hilft es auch, sich klarzumachen, was man eigentlich sagt, wenn man Nein sagt. Man sagt nicht: „Du bist mir nicht wichtig.“ Man sagt: „Ich kann das gerade nicht leisten, ohne dabei etwas anderes zu vernachlässigen, das mir wichtig ist.“ Das ist ein großer Unterschied – auch wenn er sich anfangs nicht so anfühlt.
Abgrenzung ist eine Fähigkeit, die sich entwickeln lässt. Wie jede Fähigkeit braucht sie Übung, manchmal auch Begleitung. Im Coaching arbeite ich mit Menschen daran, herauszufinden, was sie eigentlich wollen, welche Überzeugungen ihnen dabei im Weg stehen, und wie sie in ihrem Alltag klarer werden können – nicht als abstraktes Ziel, sondern ganz konkret.
Das Nein-Sagen wird nie ganz leicht sein. Aber es kann leichter werden. Und das schlechte Gewissen, das so oft dazukommt, verliert mit der Zeit an Gewicht – wenn man versteht, woher es kommt. Wenn Sie mehr über meine Arbeit erfahren möchten, können Sie sich gerne hier über mich informieren.
Sie möchten an Ihrer eigenen Abgrenzung arbeiten oder suchen professionelle Begleitung? Ich freue mich auf Ihre Nachricht.
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