Veröffentlicht am

Lust & Liebe

Seit Jahrhunderten streiten sich Romantiker und Pragmatiker über die Verbindung von Lust und Liebe. Für die einen sind beide untrennbar miteinander verbunden, für die anderen zwei völlig voneinander unabhängige Dinge. Wie sieht das aber die Wissenschaft?

Liebe im Kopf

Die Hirnforschung hat sich mit der Verbindung von Lust und Liebe auseinandergesetzt. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Emotionen, die unterschiedliche aber auch gemeinsame Areale im Gehirn aktivieren. Beiden Gefühlen gemeinsam sind die Gehirnareale, die unsere sinnliche Wahrnehmung steuern. Auch Zentren, in denen unsere Erwartungen und das soziale Verhalten koordiniert werden, arbeiten bei Liebe und bei Lust auf Hochtouren. Bei sexueller Lust melden sich die selben Hirnregionen wie bei weiteren lustvollen Tätigkeiten z.B. essen. Dazu passen Studien, die zeigen, dass man sich sein Gegenüber schön bzw. „scharf“ essen kann. Liebe wiederum aktiviert Gebiete, die in Zusammenhang mit Belohnung und Gewohnheit stehen und kann mit einer Sucht verglichen werden. Wenn aus Begehren Liebe wird, lässt sich ein Übergang des Signals von einem Bereich in den anderen feststellen. Dieser Prozess ähnelt dem von Süchtigen, die Abhängigkeiten entwickeln. Liebe ist damit nüchtern betrachtet eine Gewohnheit, die aus der Lustbefriedigung heraus entstehen.

Die Hormone spielen verrückt

Dabei spielen Hormone eine wichtige Rolle, allen voran das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin. Dabei handelt es sich um ein Hormon, das in sehr hohen Mengen während der Geburt und beim Stillen freigesetzt wird. Daher wird ihm eine wichtige Funktion beim Aufbau der Mutter-Kind-Bindung zugestanden. So wie es für eine verstärkte Bindung von Mutter und Kind sorgt, intensiviert es auch das Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit in Beziehungen. Es stärkt das Treuegefühl und erhöht die Empathiefähigkeit – man versteht einander besser. Oxytocin wird bei körperlicher Nähe wie Kuscheln oder Sex ausgeschüttet und steigert das Gefühl von Intimität. Dabei nimmt es auch eine wichtige Funktion bei der sexuellen Stimulation ein: Erst das Freisetzen von Oxytocin ermöglicht biochemisch überhaupt einen Orgasmus. Es stellt damit eine wichtige Verbindung zwischen Lust und Liebe her. Vertrauen ist dabei das Stichwort. Denn Oxytocin sorgt zwar dafür, dass wir uns auf jemanden tiefer einlassen, aber nur wenn wir ihn für vertrauenswürdig halten.

Die Wissenschaft bestätigt somit, was wir alle schon insgeheim wussten. Die Liebe ist also eine Sucht, die aus schönen und lustvollen Erfahrungen mit jemanden entstanden ist und unser Vertrauen darauf, dass das so bleibt. Aber was gibt es Schöneres als einen Liebesrausch?